Schweiz in Salzburg revisited – HangART-7 Edition 9 – „…aus einem malerischen Land“ ist so gut wie vorüber, was bleibt ist Sensibilisierung
Zum neunten mal geht im Hangar-7 in Salzburg eine erfolgreiche Ausstellung zeitgenössischer Kunst ihrem Ende entgegen. Diesmal waren es 10 KünstlerInnen aus der Schweiz deren Arbeiten bei der HangART-7 Edition 9 – „…aus einem malerischen Land“ gezeigt wurden. Für die schweizerischen KünstlerInnen ist die Präsentation eigener Arbeiten über die helvetische Landesgrenze hinaus von besonderer Bedeutung. Zwar verfügt die Schweiz über eine ausgeprägte und florierende Galerien- und Sammlerszene und erweist sich gerade für junge KünstlerInnen als ausgesprochen günstiger Nährboden um das eigene Potential zu entfalten, jedoch muss man sich in der Schweiz, trotz einzelner „Exportschlager“ wie Harald Szeemann, Thomas Hirschhorn oder Fischli/Weiss, mit dem Problem auseinandersetzen, international eher selten im Brennpunkt der internationalen Aufmerksamkeit zu stehen.
Und gerade deshalb war es auch für die Macher der Ausstellung schon im Vorfeld der Veranstaltung, während ihrer Recherchen in der Schweiz, eine höchst positive Überraschung, wie vielfältig die Positionen, alleine im scheinbar enggefassten Feld figurativer Malerei und auf geografisch so konzentriertem Raum,unter schweizerischen Kunstschaffenden sind. An dieser Stelle seien Kulturinstitutionen wie Pro Helvetia gedankt, ohne deren Entgegenkommen es schwer gewesen wäre sich einen Überblick zu erarbeiten.
Ein Gemeinsames aller in der Ausstellung vertretenen KünstlerInnen sowie der schweizerischen Malerei allgemein ist augenscheinlich. Die ausdauernde Auseinandersetzung mit Tradition und Technik. Nicht nur Klodin Erb arbeitet mit und an Versatzstücken der Kunstgeschichte und der Gegenwart. Gerade in ihre Arbeiten sind Assoziationen zur altmeisterlichen und barocken Malerei der Niederlande aber immer präsent. Gleichzeitig entlarven gerade die Arbeitsweise auf Plexiglas und ihr expressiver Duktus die Gegenwartsbezogenheit der von ihr dargestellten Szenen.
Aber nicht nur Geschichtliches als Kumulation der Vergangenheit kann Thema sein. Die dokumentarische Verarbeitung des Augenblicklichen und Alltäglichen, wie sie Lena Eriksson in ihren fast skizzenartigen, kleinformatigen Aquarellen betreibt, schärft das Auge dafür, was Geschichte ist und was einmal Historie sein kann.
Anaïs Gumy hingegen bewegt sich in Ihren Landschaftsbildern und Portraits immer entlang der Grenze von figurativer und abstrakter Malerei, diese beständig in die eine oder anderer Richtung überschreitend. Hier findet durch konsequente Auseinandersetzung mit der Technik der Neuentwurf eines klassischen Themas statt. Auch wenn die gegenständlichen Elemente nie aufgegeben werden, so besteht keine Scheu, diese fast bis zur Auflösung in den Hintergrund zu rücken, nur um ihnen dadurch eine besondere, schauerliche, gar ätherische Eindringlichkeit zu verleihen.
Diese drei Positionen sollten hier aber nicht besonders hervorgehoben werden, sondern nur stellvertretend noch einmal erwähnt werden. Denn angesichts aller Arbeiten drängen sich dem Besucher der Ausstellung die Fragen auf: Was kann (figurative) Malerei leisten? Wie weit lässt sie sich ausdehnen ohne ihren formalen Ansprüche aufzugeben? Wohin kann sie ohne Abwegigkeit gehen. Alle Antworten sind hier immer nur vorläufig und so wie diese Ausstellung endet, bleibt doch ein gewisser Eindruck der Sensibilisierung für gewisse Möglichkeiten und Bedingungen figurativer Malerei (und Grafik) und eine gewisse Sensibilisierung für schweizerische Kunst.
Allen die es nicht zur dieser Ausstellung geschafft haben, sei zu Trost verraten, dass die 10 Ausgabe des Hangar-7 Programms am 5. Juli beginnt. Diesmal gilt die volle Aufmerksamkeit der jungen französischen KünstlerInnenszene.
Für die basis wien
Martin Nimmervoll