[basis:magazin] 07-9 : Editorial

Liebe Kunstfreunde, Liebe Freunde der basis wien!

Es gibt Neuigkeiten aus der basis wien! Das basis:magazin präsentiert sich ab jetzt in neuem Gewand. Es ist angenehmer zu lesen, jederzeit bequem abrufbar und es besteht die Möglichkeit, Kommentare abzugeben. Ab der nächsten Ausgabe wird das basis:magazin auch mit einer Volltextsuche ausgestattet sein. Diesen kleinen Relaunch wollen wir Ihnen mit besonders spannenden Inhalten schmackhaft machen.

Wir blicken auf einen heißen Kunstsommer zurück; nicht nur die Temperaturen waren zeitweise schweißtreibend, sondern auch die Dichte an Großausstellungen und der Stress, zumindest einen Teil der kuratorischen und künstlerischen Anstrengungen nicht nur aus zweiter Hand via Kommentarlektüre zu rezipieren. Der Kunst-Weltausstellung documenta 12 widmen wir deshalb in dieser Ausgabe eine gründliche Rückschau.

In den kühlen Norden führt uns die aktuelle Ausstellung im Salzburger Hangar-7, wo bis zum 11.11.2007 zeitgenössische Malerei aus Island zu sehen ist. Sieben hierzulande wenig bekannte Künstler zeigen einen Querschnitt aktueller Malerei, Positionen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Und nun noch ein Hinweis: sollten Sie Gast auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober sein, werden Sie einige unserer Publikationen, wie das “ACA Lesebuch” und unser Handbuch zur Archivierung in der Kunst “gegenwart dokumentieren/archiving the present” vorfinden. Natürlich gibt’s auch all das zum Bestellen auf www.basis-wien.at

Nun wünsche ich Ihnen spannende Einblick und überraschende Erkenntnisse mit dem neuen basis:magazin!!

Ihre Lioba Reddeker

[basis:magazin] 07-9 : Die documenta ist vorbei. Ist sie?

Nun – es gab und gibt noch einigen Nachhall. Die documenta 12 ist mit Sicherheit jene Großveranstaltung dieses Kunstsommers, die am meisten Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat – sowohl medial als auch an den Besucherzahlen ablesbar.
Kalt gelassen hat sie wohl niemanden, weder jene, die die Ausstellung vor Ort besucht haben und für gut oder schlecht befunden haben, noch jene, die gar keine Gelegenheit hatten, nach Kassel zu fahren… Denn: entziehen konnte sich der meistbesprochenen Ausstellung keine/r – so laut war das mediale Echo, so gegensätzlich waren die Berichte von BesucherInnen und ebenso umstritten wie beworben waren das Konzept und die Ausführungen des künstlerischen Leiters Roger M. Buergel und der Kuratorin Ruth Noack. Von unkonventionell, elegant bis grandios, von naiv, ja schrullig bis dreist ist da die Rede. Die zahlreichen Diskussionen kreisten um Vorwürfe wie Anmaßung, Ignoranz und Arroganz, sprachen aber auch vom Mut zum Experiment, von Innovation, von der Hinwendung zum Publikum, von der Notwendigkeit der unmittelbaren Anschauung und sinnlichen Erfahrung sowie von einer provokativen Abrede an die Steuerungsmechanismen des Kunstmarktes. Vieles ist passiert, vieles in Bewegung.

# Überraschung, Skandal und Kalkül: mehr oder weniger kalkulierte Skandale gehören zu derartigen Großveranstaltungen – was waren die Besonderheiten der diesjährigen Ausgabe? Und: hatten alle documenta-Ausstellungen dieses Echo?
Stellten sich einige in der internationalen Szene anfangs noch erstaunt die Frage „wer ist Rodscher Buergel?“, so war langsam klar, dass hier nichts weniger als ein (nochmaliger) Paradigmenwechsel stattfinden würde… Bereits mit der Ankündigung, ein Koch aus Spanien sei beteiligt – nein, nicht als Kantinenchef, sondern als Künstler – ging ein Raunen durch die Menge. Das von Ferran Adrià seit 1987 in Spanien geführte Restaurant elBulli – dessen Website übrigens eine sehr schön aufbereitete Archivseite zur Geschichte des Lokals aufweist – wurde schlussendlich ganz einfach und zum Ärger Vieler zum mediterranen documenta-Standort erkoren.

# Stichwort „Partizipation“: das Konzept einer „globalen Redaktion“ – der d12-magazines – unter der Leitung von Georg Schöllhammer (springerin) beruht auf der Vernetzung von rund 90 internationalen Kunstmagazinen, die es sich zur Aufgabe machten, eine dreibändige Kompilation zu den drei Leitfragen zusammenzustellen. Die Vorfreude auf entsprechende Resultate war auch in den heimischen Redaktionen spürbar: Der Ursprung war ganz anders.

# Stichwort „Rahmenprogramm“: das Format der Lunch Lectures, eine Veranstaltungsreihe, die vom neu gegründeten documenta-Beirat in Kooperation mit der documenta 12 und dem d12-Vermittlungsteam organisiert wurde, brachte einige interessante und spannend verlaufende Diskussionen mit sich. Als ein weiteres wichtiges Element erwies sich das d12-Filmprogramm, das von Alexander Horwath, dem Direktor des Österreichischen Filmmuseums, kuratiert wurde.

# Stichwort „Medienbeobachtung“: ein zusätzliches Highlight brachte der documenta 12-blog (konzipiert und betreut von Rolf Lobeck und Lars Roth), der neben der strukturierten Sammlung von Bild- und Audiomatieral gewissenhaft alle Bewegungen im documenta-(Um)Feld aufzeichnete und auf diese Weise einen beachtlichen Presse- und Medienspiegel zusammenstellte. Mit einem etwas „schrägeren“ Blick auf Konzepterklärungen und Vermittlungsansätze Roger Buergels, die wohl das gesamte Spektrum an emotionellen und intellektuellen Reaktionen von ehrfürchtigem Erstaunen bis verdammenden Wutausbrüchen auslösten, ging „EXOT – Zeitschrift für komische Literatur“ in Form der so genannten Buergelmaschine an die Öffentlichkeit. Auf Wunsch spuckt sie wunderhübsche Wortkaskaden à la Buergel zum gewünschten Kunstwerk aus.

Die Bewegungen im Vorfeld der documenta 12 wiederum speisten den documenta-Eintrag in unserer basis wien-Datenbank, der kontinuierlich seit Bekanntgabe Anfang 2004 von Buergels Ernennung mit über 100 Presseclippings zum Thema verknüpft wurde und daher besonders eindrucksvoll zeigt, wie die documenta 12 speziell in den österreichischen Medien bereits seit 4 Jahren intensiv verhandelt und rezipiert wurde – waren die aus Deutschland stammenden ProtagonistInnen Buergel und Noack doch bereits während ihrer Studienzeit an der Akademie der bildenden Künste und der Universität Wien zu WahlwienerInnen geworden. Nach Kassel holten sie auch einige österreichische KünstlerInnen. Peter Friedl, Ines Doujak, Florian Pumhösl, Olga Neuwirth und Gerwald Rockenschaub stellten an verschiedenen Orten ihre Arbeiten aus.

documenta die; -; -ae ?; umgangssprachlich: “die documenten”
Die documenta ist heuer 52 Jahre alt geworden. Seit ihrer ersten Ausgabe 1955 hat sich einiges verändert, einzig die feste Dauer von 100 Tagen und – seit 1972 – die Periodisierung auf fünf Jahre sind geblieben. Immer wieder kamen neue Ausstellungsorte hinzu bzw. wurden „zweckfremde“ Räume adaptiert. Die anfängliche Beschränkung auf das Museum Fridericianum und die Orangerie wurde allmählich aufgehoben, es kamen wechselnde Orte hinzu, 1992 schließlich wurde das Viertel um Fridericianum und Auepark durch den Bau der documenta-Halle erweitert. Heuer kamen erstmals auch die Alte Galerie im Schloss Wilhelmshöhe, das Gloria-Kino und das Kulturzentrum Schlachthof dazu. Neu war auch der temporär errichtete Aue-Pavillon im Park.

Apropos temporär: Was wird in fünf Jahren sein, was bleibt von der documenta 12, welche Spuren hinterlässt sie? Und: was blieb von den anderen documenten? Auch im buchstäblichen Sinne des Wortes?
Dokumente werden in Archiven gesammelt, um Zeugnis abzulegen von dem, was war. Hinter dem Fridericianum, Standort der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH, liegt das documenta-Archiv, das in mehreren Abteilungen (Bibliothek, Aktenarchiv, Medienarchiv) heterogene Materialien zu den verschiedenen documenten sammelt, sie erfasst, erschließt und für die Nachwelt konserviert. Das documenta-Archiv war von 2000-2003 Partnerin der basis wien im EU-Projekt vektor – einer Arbeitsgemeinschaft, der es um die Erarbeitung wissenschaftlicher Standards für die Dokumentation zeitgenössischer Kunst ging. Aus dieser Zusammenarbeit ist das vektor-Handbuch hervorgegangen, das mehrere Expertenaufsätze zum Thema versammelt. Zudem ist das documenta-Archiv gemeinsam mit der basis wien neben fünf weiteren Institutionen auch als Partner am Internetportal european-art.net beteiligt.

[basis:magazin] 07-9 : Aktuelle Malerei aus Island im Hangar-7

HÉRNA ['çɛrdna / dt.: hier, also, jetzt…]
Ausstellung noch bis 11.11.2007, täglich 09 bis 22 Uhr, Eintritt frei
Hangar-7, Salzburg Airport, Wilhelm-Spazier-Straße 7a, 5020 Salzburg

Zeitgenössische Malerei von sieben Künstlern aus Island zeigt die Austellung HÉRNA ['çɛrdna / dt.: hier, also, jetzt…] im Hangar-7 in Salzburg. Die bereits 8. Ausgabe des Kunstprogramms HangART-7 wurde von Lioba Reddeker kuratiert. Gezeigt werden Arbeiten der Künstler Aron Reyr Sverrisson, Birgir Snæbjörn Birgisson, David Örn Halldórsson, Gudmundur Thoroddsen, Helgi Thorgils Fridjónsson, Ragnar Kjartansson und Thorri Hringsson.

Der Ausstellungstitel „Hérna“ ist ein häufig benutztes Wort im isländischen Sprachgebrauch. Es steht für „hier, also, jetzt“ oder wird als Füllwort verwendet. „Hérna“ meint im Zusammenhang mit isländischer Kunst Unmittelbarkeit und Aktualität, es drückt den Moment, die Gegenwart aus. Auch in der aktuellen Malerei spielt diese Gegenwart eine gewichtige Rolle.
Die im Hangar-7 gezeigten Arbeiten sind inspiriert von der Landschaft und dem Alltag, der vom Glauben an Sagen und Mythen durchdrungen ist, vom Reisen u.v.m. Vieles ist durchzogen von Selbstironie mit einer manches Mal geradezu bekenntnishaften Haltung zu eigenen Ängsten und Sehnsüchten.

[basis:magazin] 07-9 : Bibliothek ungelesener Bücher

Do 18.10.2007, 19 Uhr, 10-JAHRESFEST Bibliothek ungelesener Bücher von Julius Deutschbauer:

Glutamat zeigen eine Galavorstellung ihrer neuen Oper “Unsicherer Auswurf”. Ein Trauerspiel in ca. 15 – 20 Akten

+ Lesung von Christian Ide Hintze

+ DJ Nummernkerl

[basis:magazin] 07-8 : Die verlorene Identität. Junge Kunst in Mexiko

von Elisa Garzón Vecino

Will man die Kunstszene von Mexiko City kennenlernen, muss man durch die ganze Stadt laufen auf der Suche nach renomierten Galerien, jungen Räumen und vor allem Ateliers von KünstlerInnen: von Colonia Roma nach Condesa, weiter durch die Colonia S.Rafael in das historische Zentrum. Jeder Bezirk, jeder Stadtteil präsentiert unterschiedliche Aspekte von Kunst. Es besteht keinerlei Einheit zwischen den Institutionen und Plätzen. Die Trennung zwischen den einen und den anderen ist wie durch eine dicke Linie gekennzeichnet — man steht immer nur auf einer Seite.

Neben den klassischen Galerien finden wir junge Kunst in neuen Projekträumen. Jedoch sind die künstlerischen Ansätze nicht umso innovativer, je jünger sie sind. Die von ihnen verwendeten Techniken, insbesondere jene der Wandmalereien, entstammen häufig Ansätzen, die bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts von mexikanischen Künstlern wie Diego Rivera, David Alfaro Siqueiros oder José Clemente Orozco entwickelt wurden.
Heute experimentiert man mit Malerei, wie auch mit neuen Medien. Verwendet werden alle Arten von Oberflächen, bis hin zu den Wänden der Galerien: Aquarell, Malerei, Relief, Basrelief — die Wand an sich. Dies ist keine Besessenheit und auch kein Klischee, sondern eine Art, die Kunst ausgehend von einer Fläche zu vermitteln, einer Fläche, die vielleicht dauerhafter sein wird als die Kunst, die sie trägt. Die Derbheit der Wand versieht das Werk mit einer Permanenz und erzeugt so einen Kontrast zur Frische und Konzeptualität des Werkes an sich. Jimena Schlaeper z.B. arbeitet mit Pappe, die, geschnitten und mit Fäden bearbeitet, riesigen Rosenfenstern gleich, aus der Wand hervortritt. Jimena Padilla benutzt Mangas als Basis ihrer Zeichnungen und die in die Wand gescharrten Basreliefs.

Vielleicht gerade weil die Wand so präsent ist, erwächst die Architektur dieser Stadt aus einer Vielfalt von Stilen und einer solchen Heterogenität, die eine ungleiche und bezeichnende urbane Landschaft bildet. Besonders die Schemata der funktionalistischen Architektur werden in der zeitgenössischen bildenden Kunst Mexikos häufig übernommen: Marco Rountree nimmt in seinen aus Klebeband gestalteten Wandarbeiten die Linienführung der Gebäude auf und verwandelt sie in geometrische Tiere und Figuren. Emilio Said verarbeitet Blicke auf die Stadt aus einer Vogelperspektive, greift bestehende Strukturen und Muster auf und kreiert so seine abstrakten Bilder.

Im Gegensatz zu dem Betondschungel, als der sich Mexiko häufig präsentiert, beziehen sich die KünstlerInnen auch in ihren Arbeiten vielfach auf die Natur. Sie verarbeiten ihre Beziehung zur Natur, die sich in der Darstellung von Tieren als Verkörperung Ihrer selbst, von Gefühlen oder Phantasien manifestiert. Bären, Wölfe und Hirsche tauchen in den Zeichnungen, Videos und Objekten von Marcos Castro ebenso auf wie in den nur anscheinend naiven Zeichnungen von Mariana Magdaleno oder den Collagen von Liliana Ramales.

In Verbindung mit der Komplexität der Stadt spiegeln sich Themen wie Tod, Politik, Sex, oder Geschichte in den Werken wider. Die Identität spielt immer eine Rolle. Häufig werden die angesprochenen Themen überrepräsentiert und erscheinen in einer überzeichneten Intensität. Ohne Dramatik tritt die vergangene und auch gegenwärtige Geschichte als Kritik auf, etwa in den Bildern von Eugenia Martinez, die sich an Vorbildern aus der Zeit des “Vizekönigsreich Neuspanien” orientiert, oder den Werken von Demian Flores, der die “Heldenkinder” der
Geschichte in die Gegenwart verpflanzt. Aus der Verarbeitung der unmittelbaren Realität zeigt sich die Sorge der KünstlerInnen um die gegenwärtige politische und soziale Situation Mexikos. So etwa bei Héctor Zamora, der eine `Reise in die Bürokratie` antritt um eine Intervention im Museo de arte Carrillo Gil an der Avenida Republica zu realisieren.

Die Vielfalt an zeitgenössischer Kunst in Mexico ist überraschend. Heute vereinigt die Kunst alte Traditionen mit der Aktualität, weit von der Strömung des “Neomexicanismo” der 80er Jahre, und wird zu einer Plattform, wo die komplexe mexikanische Identität erforscht wird.
“Das Außergewöhnliche unserer Situation [der Mexikaner] besteht darin, dass wir nicht nur jedem Fremden, sondern auch uns selbst rätselhaft vorkommen”, so der weltberühmete Denker Octavio Paz in seinem 1950
erschienenden Essay Das Labyrinth der Einsamkeit.

Elisa Garzón Vecino lebt und arbeitet in Wien, hat Kunstgeschichte in Spanien und Österreich studiert, und ist seit 2006 Mitarbeiterin der basis wien. Sie schreibt als Korrespondentin für das spanische Kunstmagazin EXIT und gelegentlich auch für andere Kunstzeitschriften. Der Text ist nach einer Mexiko-Reise anlässlich der Organisation der Ausstellung “Una Excursión Mexicana” entstanden.

[basis:magazin] 07-7 : Kunstkritik Preis geht an Borchhardt-Birbaumer und Dusini

Wien, 17.04.2007. Brigitte Borchhardt-Birbaumer und Matthias Dusini erhalten den Art Critics Award, Österreichs einzigen und 2007 erstmals von der Kunstwerft und der basis wien vergebenen Kunstkritik Preis. Der Preisträger des Junior Award ist der Kunsthistoriker Rolf Wienkötter. Am 28. April um 19.30 Uhr sollen die Preise in feierlichem Rahmen in der VIENNAFAIR Art Lounge im fluc verliehen werden, Laudator ist Martin Prinzhorn. Die musikalische Umrahmung wird vom Art Critics Orchestra aus Berlin beigesteuert.
Die Jury entschied in der Sitzung am 31.03.2007, den Hauptpreis in zwei Kategorien zu je 1.500 Euro zu unterteilen: Fach-/Wochenmedium und Tagespresse. Die Grundlage für die Beurteilung lieferte eine dreimonatige Medienbeobachtung. Von Oktober bis Dezember 2006 wurden 356 Ausstellungsrezensionen von 101 AutorInnen aus 60 deutschsprachigen Medien gesammelt.
Brigitte Borchhardt-Birbaumer erhält den Senior Art Critics Award in der Kategorie Tagespresse. Neben ihrer Tätigkeit bei der „Wiener Zeitung“ publiziert sie wissenschaftliche Arbeiten, lehrt unter anderem am Kunsthistorischen Institut der Universität Wien und ist gelegentlich auch als Kuratorin im Bereich moderne und zeitgenössische Kunst aktiv. Ihre Stärke als Autorin liegt in der gründlichen und detailgenauen Auseinandersetzung mit Positionen von KünstlerInnen. Sie vermeidet jeglichen „Seitenblicke-Journalismus“ und lässt sich nicht von programmierten Trends verführen. Ihr umfangreiches Fachwissen und ihr sorgsamer Umgang mit Quellen eröffnen einen theoretisch fundierten Zugang zur Kunst. Die reflektierte Beschäftigung mit Kunst wird in der immer respektvollen und auf Basis von Argumenten fußenden Art, Kritik zu betreiben, sichtbar.
Matthias Dusini erhält den Senior Art Critics Award in der Kategorie Fach- und Wochenmedium. Er ist seit mehr als zehn Jahren als Kulturjournalist tätig, u.a. für das Kunstmagazin springerin und den ORF, ist Buchautor und schreibt für die Stadtzeitung Falter. Dusini hat keine Scheu davor, kulturpolitisch einzugreifen, auch wenn Analysen zur Kunst mitunter “hart” ausfallen können. Zum Mut des Kritikers gehört in seinem Fall das klare Offenlegen der persönlichen Meinung, was ihn nicht selten auch selbst angreifbar macht. Dusinis Konzept von aussagekräftiger Kritik beschränkt sich nicht auf Kunstvermittlung. Auf diese Weise gelingt es ihm, Aspekte zu fokussieren, die nicht für jede/n sofort sichtbar sind. Seine Art zu schreiben weckt die Aufmerksamkeit, insbesondere auch jene der Kunstschaffenden, und lädt zur kontroversiellen Auseinandersetzung mit Kunst ein.
Die Jury entschied auch über den Siegertext des Junior Art Critics Award, für den es ein Einreichverfahren gab. Der Sieger Rolf Wienkötter erhält nun die Möglichkeit zur Veröffentlichung in den vier Kunstmagazinen springerin, spike, kunstbulletin und artmagazine.cc und ein Honorar in der Höhe von 750 Euro.
Der Art Critics Award, initiiert vom Künstler Moussa Kone, wird 2007 zum ersten Mal vergeben. Dabei wurde das herkömmliche Verhältnis der Kunstproduktion zur Kunstrezeption umgekehrt: KünstlerInnen beurteilen KritikerInnen. Die siebenköpfige internationale KünstlerInnenjury bestand aus Thomas Baumann (A), Matthias Herrmann (A), Anna Jermolaewa (A), Constanze Ruhm (A), Markus Schwander (CH), Andrea van der Straeten (A) und Silke Wagner (D).
Die Preisverleihung fand am 28. April 2007 um 19.30 im fluc (Praterstern, 1020 Wien), im Rahmen der VIENNAFAIR Art Lounge, statt. Die Laudatio für die PreisträgerInnen wird Martin Prinzhorn halten. Ab 21 Uhr wird das Art Critics Orchestra (Raimar Stange, Andreas Schlaegel, Sabine Schmidt, Agnes Wegner) zum ersten Mal in Österreich auftreten. Nach dem Konzert legen die DJs Umberto Gollini (cheap) und Bernd Rausch (syncmode) auf.
In Kooperation mit dem Londoner Kunstmagazin frieze wird begleitend das ACA Lesebuch (ISBN 978-3-9502252-1-1) erscheinen. Das Taschenbuch basiert auf der frieze Jubiläumsausgabe No. 100 zum Thema Kunstkritik und enthält zusätzliche Texte eingeladener AutorInnen. Die Publikation bietet einen aktuellen Überblick zum Thema Kunstkritik und ist zum Preis von 12,50 Euro (zzgl. Versand) über die basis wien (office@basis-wien.at, 0043(0)15226795)erhältlich.